Die wilden Sechziger (4)


DIE WILDEN SECHZIGER

4. Kapitel: The Snobs - bevor Ronald zu ihnen stieß!
 
Middi Middeldorf packt aus!
 

Gar nicht weit von der Adlerbrücke entfernt (10 km) wurschtelten sich 1964 vier junge gut aussehende Männer zu einer Band zusammen. Sie konnten fast nichts. Bernd Wüster, Lehrling bei Halstenbach & Co., Gummibandweberei, lernte zusammen mit einem, der in den letzten zwei Jahren ganz seriös, klassische Gitarre, sogar nach Noten, gelernt hatte. Das ist unser Mann, dachte sich Bernd. Der kann uns vielleicht etwas beibringen.
 
Heiner Middeldorf war sein Name. Und nicht nur das: Es war mein Name! Ich sagte zu. Die strenge Erziehung meiner Tante ließ mich allerdings nach 19.00 Uhr nicht mehr auf die „Straße“. Also musste ein anderer Weg zur Probe gefunden werden. Dieses galt für das Wochenende umso mehr. Aber wo?
 
Peter Wesel, Drucker von Beruf (er sollte Schlagzeug spielen), hatte gutes Verhandlungsgeschick. Das musste er umgehend nutzen. Das tat er auch. Die ehemalige B 224 in Richtung Düsseldorf (heute A 46), war gerade im Bau, da begann Peter Verhandlungen mit den Straßenbauarbeitern: Es ging um den Bereich Märkische Straße. Peter schaffte es, den Bauarbeitern einen Bauwagen mit Ofen übers Wochenende zum Proben abzuschwatzen. So hatten es die vier geschafft. Sie konnten im Trockenen und Warmen, fern von empfindlichen Ohren, die ersten musikalischen Versuche unternehmen.
 

Heiner Middeldorf  (1964): Noch ohne Matte!
 

Die Zusammensetzung der Ur-Snobs: Peter Wesel, Drums; Bernd Wüster, Rhythmusgitarre; Heiner Middeldorf, Leadgitarre - und ein Bassist, der noch nie einen Bass in der Hand gehalten hatte. Den konnte er auch nicht halten, weil eine Gitarre von 6 auf 4 Seiten umgerüstet wurde. Der Junge konnte gerade mal Dupp-Dupp-Dupp. Mit weiterer Übung war er glatt überfordert. Den Namen weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch (und das hat sich in mein Gehirn gebrannt), dass er sich grundsätzlich nie die Zähne putzte. Der Pelz, der sich auf meine Zähne legt, der schützt sie auch, war sein Argument. So roch er auch. Nun denn, wir haben uns von ihm getrennt.
 
Was jetzt? Bernd, Middi und Peter waren für eine Beat-Band reichlich unvollständig. Ich weiß es noch, Bernd Wüster und ich standen an einem Wochenende, als ich länger raus durfte, auf der A 46 (Märkische Straße) und sahen am klaren Sternenhimmel den Großen Wagen. Wir sponnen herum, dass wir eines Tages weltberühmt sein würden. Dass uns die Mädchen nachlaufen würden. „Mehr und mehr.“
 
Aber wir mussten weiter. Einen Bassisten brauchten wir. Der wartete schon, und einen guten Effekt-Gitarrenspieler, der uns mehr „Schub“ gab. Wo? Im CVJM-Kellerraum an der Adlerbrücke. Die Namen? Rainer Bergmann, Horst Kuhweide. Die Snobs wurden geboren. Logischer Schluss: Hätte der erste Bassist keinen Zahnbelag gehabt, hätte es die Snobs in ihrer Zusammenstellung nie gegeben. Es lebe die Zahnbürste!