Tagebuch 12-2010


5.12.2010: Wenn man am Yukon River auf der Höhe von Dawson City flussaufwärts nach 20 km rechts abbiegt, erreicht man das vorwiegend von Monhof-, Halbach- und Friedrichs-Indianern bewohnte Ronsdorf. Im dortigen Hilton, das sich bescheiden unter dem Namen „Hotel Stadt Ronsdorf“ tarnt, feierten Herr und Frau Blank wieder ihr 39. Wiegenfest. Um sich allein nicht zu Tode zu langweilen, hatten sie die üblichen Verdächtigen eingeladen.

Zu musizieren brauchten wir diesmal nicht. Dies oblag Herrn Luciano, der mit einem Tasteninstrument und einer Klampfe der Marke Rickenbacker-Nachbau angerückt war, um die Festlichkeit dezent zu untermalen. Nach der Fütterung der Gäste und der spontanen a-capella-Aufführung einer Ballade von John Denver („Country Roads“), versammelten sich anschließend alle Drogensüchtigen zum Konsum von Tabak und Wasser am heimelig knisternden Kamin im Grünen Salon.

Dort wurden sie von unserem Freund dem König mit gut einstudierten witzigen Sketchen unterhalten: Als erstes brach er eine Türklinke ab; dann zerdepperte er eine Tasse.
Der italienischen Kellner, dem der Dolch schon in der Tasche zuckte, nahm dies mit ebensolchem Großmut hin wie Herrn Rotters Antwort auf seine Entschuldigung (weil er seine Bestellung vergessen hatte): „Wie lange arbeiten Sie jetzt hier - morgen nicht mehr mitgerechnet?“

Nach dem virtuosen Vortrag von Herrn Luciano wollten einige vom Wassertrinken inspirierte Krampen unbedingt eine Einlage bringen, die der im Hintergrund seine Haare raufende Herr Blank leider nicht verhindern konnte. Mit vereinten Kräften bekamen sie die Nummer aber hin: Herr Striebe (Löffel und Gabel), Herr Freund-König (Keyboard), Herr Rotter (Gesang) und ich (verstimmte Gitarre) schrammelten Hans Albers neuerlich aus dem Grabe hervor.

Dass Herr Abé bei dieser Sternstunde des Krampismus nicht mehr dabei war, hat hoffentlich nichts damit zu tun, dass Herr Freund-König im Laufe des Abends auf Herrn Luciano deutete und meinte: „Kuck mal, Werner, der kann sogar Akkordwechsel!“

Natürlich haben wir nicht nur Schabernack getrieben und Wasser getrunken. Der feierliche Abend war auch bildend: K.D. Blank erweiterte z.B. mein Wissen, indem er mir erläuterte, dass es für einen Gitarristen schon mal von Vorteil sein kann, wenn er weiß, wofür die Knöppkes an seinem Verstärker da sind.

Was man für wahnsinnig wichtige Dinge auf so einer Geburtstagsfeier erfährt! Mein Lehrmeister hat mir so was nie erzählt! Vermutlich wollte er nur verhindern, dass ich ihn eines Tages an die Wand spiele!

 
9.12.2010:
Häh, bäh, ist dat 'n schäbbiges Wetter! Da traut sich ja nicht mal der GEMA-Schnüffler vor die Tür!


12.12.2010:
Der sich auf beispielhafte Weise um den Stadtteil Unterbarmen verdient machende Gunnar Kohleick (kuxtu Linkliste und klixtu Ongerbarmen) taucht inzwischen immer tiefer in die Vergangenheit ein - u.a. auch in meine und die anderer Buben und Mädchen, die zwischen Alter Markt und Haspel aufgewachsen sind. Neuerdings treffen sogar Bilder und Beiträge aus exotischen Ländern ein!

So hat z.B. unser alter Kumpel Hinner Fotos von einem der Tatorte geschickt, an denen Jens-Uwe und ich Grundsteine legten, ohne die es die Krampen (vermutlich) gar nicht gäbe. Als die Beatles einem Indianer namens Maharishi Mahesh Yogi in seine Heimat folgten, wollte auch Hinner mal sehen, wie es bei den Indianern aussieht. Und wie John Lennon Yogi bald als schrägen Vogel entlarvte, der Dear Prudence an die Wäsche wollte, sah auch Hinner (vermutlich) bald ein: Immer nur in Goa in der Sonne sitzen und einen durchziehen lässt den Menschen frühzeitig altern. Lennon nahm Yogi Bär in seinem Song "Sexie Sadie" auf die Schaufel und kehrte nach England zurück. Hinner drückte seinen Joint aus und schwamm nach Thailand, wo er sich Schwimmflossen und eine Taucherbrille kaufte und einen Sportkonzern gründete, der ihn (vermutlich) noch heute ernährt.

Was ich damit sagen will? Seine bizarren Fotos, die seit heute auf Gunnars Seite stehen, haben mich inspiriert, andere alte Unterbarmer aus dem Krampen-Bekanntenkreis nach Fotos aus dem späteren 20. Jahrhundert  zu fragen, denn: Wäre es nicht toll, mal was über "Tolle Pinten und Pommesbuden in Ongerbarmen, Abt. 20. Jahrhundert" zu lesen?
 
Dieter Ploch, ein Ongerbarmer von echtem Schrot und Korn, hat mir gerade eben ein Foto geschickt, das der Prominentenfotograf "Tralala" 1965 im wichtigsten Unterbarmer Tanzschuppen gemacht hat. Dies wird möglicherweise großen Einfluss auf die erste Folge haben: Beim "Griechen" (Christos Merziotis, Gott habe ihn selig) auf der Friedrich-Engels-Allee ging nämlich damals die Post ab, und irgendwie haben wir dort alle (außer Gunnar und Herrn Striebe, die waren noch zu klein) starke musikalische Impulse aufgenommen...

Kuckt also auch mal bei Ongerbarmen rein! Auch Sie, Herr Jung! Und schicken Sie mal die Jungs vorbei, die die Förderkohle für Kultur verteilen. (Die können Sie auch bei den Krampen vorbeischicken; die könnten eine neue Kiste Wasser brauchen).

 

14.12.2010: Denkt dran, auch in der Überflussgesellschaft ist bald ist Weihnachten! Hier fünf Geschenkvorschläge für Leute, die schon alles haben:

1. Ein alter Autoreifen
2. Eine Schlafzimmersirene
3. Ein Flohhalsband
4. Ein Postsparbuch mit 1.000 Euro Miesen
5. Ein Stadtplan von Krefeld
6. Die Memoiren von Norbert Blüm ("Die Renten sind sischä")

Oh, sind sechs geworden. Na, macht nix.

 

15.12.2010: Es wurde euch angedroht! Hier die erste Folge der Serie "Tolle Pinten und Pommesbuden in Ongerbarmen, Abt. 20. Jahrhundert".

Hier klicken, Alter bzw. Alte: http://unterbarmen.im-wuppertal.de/BeimGriechen.html

17.12.2010: Wie unser Freund der König (Sexyphon) im Gästebuch andeutet, planen die Krampen nach ihrer traditionellen Neujahrsgala im Bundesgeldumverteilungsamt (Berlin) für den 29.1.2011 in der Farbmühe (Unterbarmen) ein kleines krampiges Fest in der VIP-Lounge des legendären "Le Pirat". Alle, die die Krampen mögen, sind dazu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist (vermutlich) frei, da Monsieur Hubert, der Tavernenbesitzer, die Musikanten wie immer mit Wasser und Brot (sowie Essiggurken) bedenkt, sodass sie ihr Auskommen haben. Und was will der Musikus mehr? P.S. Dagobert Duck möge sich nicht zu früh freuen: So wie wir Monsieur Hubert kennen, geht er um Mitternacht mit dem Sektkübel rum!