Tagebuch 03-2011


4.3.2011: Wenn ein Musiker der Krampen mit einem Kasten Wasser an der Hand zum Probenraum joggt (dies kommt fast jeden Dienstag vor), laufen ihm schon mal ein paar Groupies über den Weg, die er aus jenen alten Zeiten kennt, in denen er noch im Pariser Olympia, in der Carnegie Hall (New York) und der Wuppertaler Stadthalle aufgetreten ist. Dann bitten die Groupies den Musikanten (wie damals) um ein Autogramm und versuchen ihn (wie damals) ins Bett zu locken.

Ein echter KrampenMusikant ist aber natürlich gebunden und seiner Dame 100%ig treu, weil er einen  a) einen 100%ig edlen Charakter hat und b) nicht weiß, wo besagte Dame seine (damals) verdienten Millionen angelegt hat

Oftmals sagen diese Groupies aber auch nur: "Ey, oh, weißu  noch, wie toll dat fröher alles war, beim Anni inne Charlottenstraße, beim Emmi Maiss inne Kleine Bandstrote und beim Frenzel im Impuls? Ich hab da noch 'n paar Fotos, die de Tralala gemacht hat, da bissu auch drauf, ey! Wieso schreipse nicht mal wat über die wilden Sechziger im 20. Jahrhundert? Et gibt doch sicher Leute, die dat interessiert, und wenn duet nich aufschreips, wer sollet dann machen, hm? Vielleicht der kleine Atti Reinartz? Dä is doch damals noch em Laufstall römgelopen!"

Ja, und dann sagt sich die Krampe: "Warum eigentlich nicht? Du wolltest doch immer schon mal ein Buch über die 1960er Jahre schreiben! Wieso hasse dat eintlich noch nich gemacht, ey? Zeit hasse doch verdammt genug, wo du doch als hochdekorierter Schriftsteller 'n ganzen Tach nur aussem Fenstoh kux! (Und dein Deutsch wird auch immer schlechtoh!)."

Na schön! Ab heute installieren wir hier die Rubrik DIE WILDEN SECHZIGER, in die wir, genügend Zeit vorausgesetzt, in Bälde den einen oder anderen Artikel über eben diese Zeit reinstellen. (Artikel 1 und 2 waren schon mal anderswo zu lesen. Das macht aber nix, weil sie längst noch nicht jeder kennt.)

18.3.2011: "Ach", sagte Ronald seufzend um 21.03 Uhr und nach des Tages Mühen und Last, "soll ich jetzt mal widdoh wat ins Tagebuch schreibm, oder 'n Pülleken Wasser schlappen?" Die Wahl fiel ihm nicht schwer.

19.3.2001: SCHNÜFF!
Jet Harris, Gründungsmitglied und Bassist der britischen Instrumentalgruppe "The Shadows", ist im Alter von 71 Jahren an Krebs gestorben.
Das teilte sein Agent Peter Stockton mit. Harris spielte bei vielen Hits der Shadows mit, darunter „Apache”. Die Shadows waren zudem Begleitband von Cliff Richard, der Harris mit den Worten würdigte: „Jet, der Bassist, wird immer ein wesentlicher Teil der britischen Rock 'n' Roll-Geschichte sein. Ihn zu verlieren, ist traurig - aber großartige Erinnerungen bleiben. Rock on, Jet.” Harris spielte - damals noch unter dem Namen Cliff Richard and the Drifters - schon 1958 bei Richards dritter Single „Livin' Doll” Bass.

23.3.2001: Im Gegensatz zu Jet Harris erfreut sich Herr Striebe von den Krampen allerbester Gesundheit. Gestern kam er nach einer langen Südseereise mit seinem Lieblings-Hula-Hula-Mädchen in die heimatliche Hünefeldstraße zurück, um mit den SuperKrampen ein Fläschchen Wasser zu trinken und paar alte Songs aufzupolieren. Dabei unternahm er erstmals den Versuch eines Duetts mit dem Kollegen  Hahn - eine Schote aus den 1950er Jahren, damals von den Coasters aufgenommen und deren hohes Niveau man schon am Titel erkennen kann: "Yakety Yak".

Der Abend verlief (wie gewohnt) harmonisch, wenn man davon absieht, dass die Band Herrn Hahn  daran hindern musste, spontan nach Köln zu fahren, um terroristisch aktiv zu werden: Ein dortselbst residierendes, im ganzen Land bekanntes Versandhaus hatte sich nämlich erfrecht, ihm für ein hübsches Sümmchen ein UHF-Headset zu verkaufen. Was einen daran sooo wütend machen kann? Nun, der Fakt, dass die Frequenz, auf der diese Funke funkt, schon ab dem nächsten Monat nicht mehr zur Verfügung steht. Ein Fläschchen Wasser kühlte den hitzigen Herrn Hahn ab, und alsbald funktionierte er wieder -nicht jedoch, ohne zuvor jene anonymen Mächte zu verwünschen, die das Lämpchen seines Notenpults verkrost hatten. Zum Abschluss des Abends (der ziemlich plötzlich kam), sah sich Herr Hahn dann der völlig unglaublichen Tatsache ausgesetzt, dass Herr Striebe beliebte, ihn im Krampen-Probenraum einzuschließen! Nur heftiges GETRETE und GEBOLLER gegen die Tür konnten ihn retten. Wäre er allein dort zurückgeblieben, wäre er wahrscheinlich draufgegangen: alle Kühlschränke waren leer; kein Bütterken und kein Fläschken Wasser mehr im Haus!