Tagebuch 04-2011


12.4.2011: Bildung ist alles!

Das kürzeste und wunderbarste Märchen der Welt
 
Es war einmal ein stattlicher Prinz, der irgendwann eine wunderschöne Prinzessin fragte: „Willst du mich heiraten?“
Und sie antwortete: „NEIN!“
Und der Prinz lebte viele Jahre lang glücklich und ging angeln und jagen und hing jeden Tag mit den Krampen rum und trank viel Bier und beschickerte sich so oft er wollte, spielte Golf, ließ seine Jacke auf der Stuhllehne im Esszimmer hängen und hatte Sex mit Dirnen und Nachbarinnen und Freundinnen und furzte nach Herzenslust und sang und rülpste und kratzte sich ausgiebig am Sack.

[Danke, Friedhelm!]


13.4.2011: Neulich begegnete mir an meinem Arbeitsplatz im Vorstand der Deutschen Bank unser OberGroupie Tini Tienepämpel und fragte mich: "He, samma, wie gehtat eintlich so, wenn die Krampen 'n neuen Song einstudieren? Beruft ihr dann, wie wir in der SPD, einen Unterbezirksparteitag ein, bei dem jeder einen Zettel in einen  Hut wirft, auf dem er einen Vorschlag macht, den dann alle Anwesenden zerpflücken und in Grund und Boden labern, sodass er am Ende im Papierkorb landet?"

Eine interessante Frage, fanden wir und gründeten gleich ein Unterbezirksparteitagskomitee, um Tini die Antwort zu geben:

Bei den WupperKrampen geht das anders! Wenn einer von uns einen neuen Song vorschlagen will, tut er erst mal gut daran, sich der Gunst der anderen 5 zu versichern, indem er auf Schönwetter macht und einen kasten Wasser springen lässt, der dann am Runden Tisch in der Großen Diskussionrunde angetestet wird. Danach darf der Kandidat, sagen wir mal, es ist ist Herr Striebe, seinen Vorschlag unterbreiten. Etwa so: "Ich würde gern Ludwig van Strammsackls Opus 69 in Fis-Moll machen, aber in der Version von Manfred Mann." Räusper. "Na schön. Zur Not auch in der Version der Tony Marschall."

Nachdem der Krampen-Unterbezirk sich einen Ast gelacht hat, darf der Kandidat den Song dann auch vorsingen -- ungefähr so wie bei "Deutschland sucht den Superdepp". Nachdem der Unterbezirk sein Urteil formuliert hat (meist heißt es dann: "So 'ne Kacke hamwer ja noch nie gehört"), greift Herr Blank sich eine rumliegende Gitarre und kriegt mal eben raus, wie die 27 Akkorde heißen, die Herr Abé und Herr Hahn zu diesem Song schrammeln müssten. Herr Hahn hat dann schon ein Zettelchen vorbereitet, auf den er selbige Akkorde aufschreibt, damit er sie nicht vergisst. Herr Abé hat Zettel nicht nötig, weil er ein fotografisches Gedächtnis hat. Herr Rotter, der Trommler, hat für Akkorde nur ein Naserümpfen übrig. Wir vermuten, dass Schlagzeuger sich für so'n Scheiß gar nicht interessieren.

Auf der Bühne wird dann aus der ersten Katzenmusikversion des Opus 69 in Fis-Moll langsam aber sicher eine Sache, die wir gar nicht erwartet haben, sodass Herr Abé leicht irritiert in die Runde fragt, wieso wir, verdammich, komplizierte Songs immer besser auffe Reihe kriegen als Gitarrenschrapperstücke mit drei Griffen.

Das Endprodukt hat dann zwar keinerlei  Ähnlichkeit mehr mit dem ursprünglich projektierten Ludwig van Strammsackl-Opus, klingt aber nach Frank Sinatron, und das finden wir auch ganz toff.

So, Tini, jetzt weißte, wie dat so löppt.


22.4.2011: Gastautor Rainer zum Thema Freibiergeld

Aus der Berliner Gerüchteküche kommen unbestätigte Informationen über einen großartigen sozialpolitischen Erfolg der Bundesregierung. Während noch überall das mangelhafte Interesse an den Bildungsgutscheinen für Kinder von Hartz-IV-Empfängern diskutiert wird, zeichnet sich ein erstaunlicher Durchbruch bei einem anderen, bisher kaum bekannten Sozialprojekt ab, nämlich bei der Verteilung sogenannter Freibiergutscheine. So deprimierend die Abrufzahlen beim Bildungsgeld für Kinder sind, die bisher ja nur um die zehn Prozent liegen, so ermutigend sei das Interesse am Freibiergeld für Bedürftige.

Genaue Zahlen sind nicht bekannt; es heißt aber, die Nachfrage habe alle Erwartungen übertroffen. Es sei schon so viel von den verfügbaren Geldern abgerufen worden, dass man ohne Übertreibung von einem hochprozentigen Erfolg sprechen könne. Und dies, obwohl bisher keinerlei Werbung für das Projekt Freibier gemacht worden sei, da es sich, genau genommen, noch im Erprobungsstadium befinde.

Damit sind anfängliche Sorgen der Regierung widerlegt, auch dieses Angebot werde womöglich nur zögernd angenommen. Man hat nämlich, so heißt es, vor dem Zugriff auf das Freibier die gleichen bürokratischen Hürden aufgebaut wie bei den Bildungsgutscheinen für Kinder. So müsse jeder Interessent einen Antrag ausfüllen, auf dem Details zur Person und zur Biersorte, für die er sich interessiert, anzugeben sind. Diese Hürde sei aber erstaunlich leicht genommen werden. Angesichts dieses unerwarteten Erfolges stehe man nun vor einem Rätsel. Warum werden die Anträge auf Gewährung eines Bildungsgutscheins nur schleppend ausgefüllt, während die in Form und Aufwand praktisch identischen Anträge auf Freibiergutscheine so reißenden Absatz finden?

Offenbar soll nun eine Findungskommission die Gründe für die unterschiedlichen Reaktionen auf die beiden sozialpolitischen Maßnahmen erforschen. Die Ergebnisse sollen bereits im Frühjahr nächsten Jahres vorliegen.

Schon jetzt wird aber der Vorschlag diskutiert, man solle doch im Sinne einer bürokratischen Vereinfachung den Antrag auf Bildungsgeld mit dem Antrag auf Freibiergeld vereinen. Dann könne man beides, Bildung und Bier, als Gesamtpaket gemeinsam auszuliefern. Die Befürworter dieses Verfahrens erhoffen sich davon einen Schub für das Projekt Bildungsgeld. Kritiker befürchten allerdings, dass das Freibierprojekt leiden könne, wenn es zu eng an das Bildungsprojekt gekoppelt werde. Das zuständige Ministerium gibt zu dieser Debatte keinen Kommentar ab. Man wolle der Arbeit der Findungskommission nicht vorgreifen, heißt es dort.

27.4.2011: Gestern, während der Pause im Probenraum an der Hünefeldstraße, hatte ich auf dem Weg vom Kalten Büfett zum Wasserkasten eine schicksalhafte Begegnung mit einer der 12 jungen Damen, die wir in unserem Groupiezimmer gefangen halten. Zündi, so ihr Name, hielt mich an der Krawatte fest und sagte: "Hömma, der April is fast zu Ende; die Bäume schlagen aus; überall liegt gelboh Plühtenstaub rum und reizt meine Neugierallergie bis zum Wahnsinn! So lausche mir und beantworte folgende Frage: Warum hast du im letzten Tätigkeitsbericht euren Sexyphonisten Stephan Freund-König einfach schnöde übersehen? Ist dir nicht aufgefallen, dass er, während ihr auf der Bühne Quatsch gemacht und rumgehampelt habt, den Wechsel von Fis-Moll nach A-Dur geübt,  das Konto der Krampen auf Vordermann gebracht und dazu einen Zigarillo geraucht hat? Wieso hat der ganze Harem nur das Gefühl, dass du der Öffentlichkeit diesen geistreichen Mann nur verschweigst, weil du Angst hast, sein Schatten könnte dich Hänfling verdecken?"

Nach diesen Worten ließ Zündi mich mit meinem Wasserfläschken im Foyer stehen. Mann, kam ich mir schofel vor! Also ging ich in mich, befragte mein Alter Ego (das ist meine zweite Hirnhälfte) und zog folgendem Schluss: Schussel, dein Name ist Hahn! Zündi hatte in allem Recht! Ich nahm mir vor, ihr zu Weihnachten ein neues Halseisen zu schenken und eine Pressekampagne zu starten, in der alles drin steht, was ich über Herrn F-K weiß. Eigentlich weiß ich nur wenig: Irgendeines Tages war er mit seiner Tröte einfach da und ließ sich, so sehr ich mich auch bemühte, nicht mehr vertreiben. Er hat eine sehr  pfiffige Frau, die Gabelstapler fahren kann, und zwei Jungs, die sich, bei Geschwistern mag man es kaum glauben, mordsmäßig gut leiden können. Der Große ist Drummer/Sänger in einer Schülerband; der Kleine hat sich wohl noch nicht entschieden, ob er mehr zum Rock 'n' Roll oder zum Diplom-Ingenieur tendiert.

Herr Freund-König trötet auf einem wunderschönen (und vermutlich schweineteuren) Selmer-Sax, singt aber auch ein paar toffe Songs, die sich vermutlich bald vermehren werden. Achim Reichel singt er locker an die Wand (was, zugegeben, keine Kunst ist), und den Zander-Frank macht er so gut, dass das Original, würde es ihn hören, den Hut zöge. [Christa, korrigier mich, falls nötig.] Außer dem Selmer-Saxophon besitzt Herr Freund-König auch einen dicken Laster, dessen Ladefläche die WupperKrampen auf ihren internationalen Tourneen (zwischen Beyenburg und Vohwinkel) schon mal als Schrammel- und Trommelbühne benutzen. In seinem Balkonbau-Betrieb liegen zudem mehr Schraubenzieher und -schlüssel rum als ein durchschnittlicher Gitarrenschrapper ohne Zuhilfenahme der Finger zählen kann.

So, der Monat ist fast zu Ende. Wir haben alle unsere Pflicht getan. Jetzt können wir uns in unserem guten Gewissen sonnen. (Ich weiß, Freunde, die Metapher ist schräg, aber sind wir denn nicht alle unvollkommene Menschlein?).

P.S. Gerade (14.10 Uhr) kam Gattin Karin rein.
KARIN: Wie bisse eintlich gestern Abend nach Hause gekommen?
ICH: Stefan.
KARIN: Ach, hat der gutmütige Kerl dich wieder in seim Auto mitgenommen?
ICH: Ja.
KARIN: Musse ihm demnächst bei McDonald's aber mal einen ausgeben!
ICH: Wat? Ich hab ihn doch gerade erst öffentlich gelobt, ey!