Tagebuch 07-2011


11.7.2011:  Wenn eine WupperKrampe sich unters Volk mischt, wird ihr oft die Frage gestellt, wie so eine Tournee eigentlich abläuft... wenn man als Band z.B. zwischen Toronto, Elfringhausen und London hin und her düst. Wie wird das alles organisiert? Wer sorgt für die Getränke? Wer lernt die Groupies an? Wie gelingt es der Band immer wieder, die zahllosen Kisten, Kästen, Köfferchen und Trommeln von hier nach da zu bringen, ohne dass sie etwas verliert, vergisst oder schlichtweg übersieht?

Im Grunde ist alles ganz einfach! An einem Tag, an dem kein Mensch Zeit hat, treffen sich die Krampen und legen das Tournee-Programm fest. Daran hält  sich aber später niemand, weil pro Gig mindestens eine Krampe sagt: "Wat? Dat haben wir ja noch nie gespielt! Wieso soll ich dat singen (bzw. schrammeln, bassen, trommeln, posaunieren, sexyphonieren, xylophonieren)?"

Steht das Programm, druckt der Lordnotenbewahrer es aus. Später, wenn's hart auf hart geht, nämlich auf der Bühne, stellt er oft fest, dass er es als Einziger mitzunehmen vergessen hat! Dann linst er auf das Blatt von Herrn Blank, dessen Notenständer immer ohne Fehl und Tadel ist. Wenn er den Zettel aber doch mitgenommen hat, wird der Wind ihn im entscheidenden Moment umblättern und ihn panisch machen. Es kann auch passieren, dass er seine Arbeitsbrille vergessen hat und so nah an den Notenständer ran muss, dass die Gefahr besteht, ihn umzustoßen. Wenn das Programm dann irgendwann steht, wird ein Fahrer ausgekuckt und für 11 Uhr 67 bestellt. Den Fahrer macht in der Regel unser Benny, der nicht nur einen Führerschein und Muckis hat, sondern auch Päxkes packen kann und immer nüchtern bleibt, was in unserer Branche ja nicht dem Standard entspricht.
Die Krampen sind natürlich immer stocknüchtern. Wie man dank ihrer unermüdlichen Pressearbeit [steter Tropfen höhlt den Stein] weiß, trinken sie nur Wasser .

Normalerweise treffen sich die Krampen vor der Tournee immer um 15.05 Uhr in der Hünefeldstraße, um den Kram, den eine Band so braucht, in Bennys Laster zu verpacken und zum Auftrittsort zu karren. Das soll in der Regel um 15 Uhr 06 der Fall sein, klappt aber nie, weil die Beknackten, die unsere Stadt regieren (vermutlich von einer Kneipe aus), an diesem Tag meist immer die Schwebebahn stilllegen,  um an der Haltestelle Landgericht ein Schräubchen auszuwechseln oder ein Papiertaschentuch zu entfernen, dass irgendein debiler Halbstarker auf die Schienen geworfen hat. Was Herrn Hahn und Herrn Rotter, die in weiter Ferne wohnen, sowohl vergrätzt als auch verspätet.

Am Auftrittsort schraubt Dipl.-Ing. Rotter dann als Erstes sein Schlagzeug zusammen und blafft den nichtsnutzigen Gitarristen an, der immer irgendeinen absolut unwichtigen Scheiß ausgerechnet an der Stelle ablegen muss, die er für etwas HOCHNOTWICHTIGES reserviert hat. In dieser Phase kann der hochkonzentrierte Herr Rotter sehr grantig werden, weswegen es für nichtsnutzige Gitarristen das Beste ist, wenn sie der Bühne den Rücken kehren: Wenn Herr Rotter das in 17 Köfferchen, drei Seesäcke und 12 Kisten, Kästen und Dosen verpackte Ekwippment zusammengefügt hat (gebildete Menschen vermeiden das popelige Wort  "Anlage"), wird der Sound (bzw. Klang) der Mikrofone getestet. Der muss astrein sein, weil die  Krampen nicht nur wegen ihres großen Wasserkonsums bekannt sind, sondern auch wegen ihres (gelegentlich fehlerlosen) Chorgesangs.

So ein Soundcheck ist immer furchtbar, denn Ekwippment jeder Art hat immer die merkwürdige Neigung, eine Stimme um 17 Uhr 01 grandios und um 17 Uhr 32 wie einen Blecheimer klingen zu lassen -- und zwar ohne (so die Legende), dass jemand mit seinen F*ttfingern an ihm rumgefummelt hätte. Fällt alles zur Zufriedenheit der Beteiligten aus, zieht die Band das Konzert durch. Dabei kann schon mal ein Song auf eigenartige Weise enden, während ein anderer merkwürdig anfängt und ein dritter überhaupt nie enden will, weil die Musikanten vergessen haben, wie man ohne aufzufallen aus der Nummer rauskommt.  Manchmal kommen einzelne Textpassagen auch ein wenig nuschelig rüber. Das hat aber nie was damit zu tun, dass der Sänger den Text vergessen hat. O nein! Daran ist nur das verfluchte, sich von ganz allein verstellende Mikrofon schuld. Wir wissen es alle!


Geht ein Konzert ohne Handgreiflichkeiten über die Bühne, sprechen die Musikanten von einem Erfolg. Ist es beendet, müssen die armen Hunde ihren ganzen Strippen-, Schlagzeug und Verstärkerkram wieder auseinenderdröseln, eintüten und in dunkelster Nacht mit Bennys Hilfe in den Probenraum zurückschaffen: Das ist eine echte Plage, die eigentlich von Roadies erledigt werden müsste. Leider findet man heutzutage keine Roadies mehr, nicht mal für Geld. Dafür lernt man aber auf einer Tournee, die einen von Unterbarmen nach Laaken bringt, viele nette Menschen und Herrn Bitburger kennen, der weiß, wie man Musikanten bei Laune hält: Indem man einen ausgibt. Oder fünf. 



Gefallen tun einem auch die Scharen der jungen Frauen, die vor der Bühne die Hüften (und ihre Kinder) schwingen -- oder Kollegen wie der Singende Heinz, der es sich nicht nehmen ließ, jeder WupperKrampe ein handschriftliches Autogramm aufs Auge zu drücken (siehe oben). 

Von heißen Groupies wimmelt es natürlich bei solchen Gigs immer. Leider ziehen die nach dem Konzert immer mit den alten Säcken von den Rolling Stones von dannen! Na ja, bei dem Einkommen!


12.7.2011: Kaum kehrt man mit dem Steuergeldverschenkungsminister von der EU-Konferenz zurück, erfreut einen die NEW YORK TIMES mit einer bebilderten Reportage über den Auftritt der WupperKrampen in Laaken-Eschensiepen! Im Bild zu sehen: der lässige Herr Abé, der coole Herr Freund-König und der das Publikum voll im Griff habende Herr Striebe! All das und die übliche Lobhudelei ("Boah, sind die gut!") findet man in der heutigen Ausgabe auf Seite 26! Geschrieben, wie ich vermute, von einem Pulitzer-Preisträger, und... Oh, ich sehe gerade, es war nicht  die NEW YORK TIMES. Es war die WESTDEUTSCHE ZEITUNG.

P.S.
Um den zahllosen Anfragen jener Fänz gerecht zu werden, die am Oberbarmer Hansa-Pils-Büdchen in der Sonne sitzen und sich keine Zeitung leisten können, hier ein Link zur betreffenden WZ-Seite (einfach droppklicken): http://www.wz-newsline.de/lokales/wuppertal/stadtteile/barmen-ost/laaken-feiert-ein-fest-mit-clowns-und-wupperkrampen-1.710518


14.7.2011: DAS GEDICHT DES JAHRES

ICH SASS SO EINSAM
(I SAT BELONELY)
John Lennon


Ich saß allein im Waldrevier
demütig, klein und dick.
Ein holdes Fräulein sang zu mir,
verborgen meinem Blick.

Ich sah hinauf zum Himmelsrund,
suchte ihr Angesicht
putzig, putzig ohne Grund,
hört ich, doch sah sie nicht.

„So komm hervor, nicht länger saum“,
rief ich total verzeckt.
„Ich weiß, du sitzt in diesem Baum“,
doch blieb sie mir versteckt.

Das zarte Stimmchen lullt mich ein
für ein oder zwei Stunden.
Dann blickt ich in den Wald hinein,
doch kein Fräulein ließ sich funden.

Doch plötzlich auf dem kleinsten Ast,
sah ich, bei meiner Seel,
ein Ferkel miniwinzig fast,
das sang aus voller Kehl.

„Ich hielt dich für ein Mägdelein,
rief ich im Kicherton.
Und traun fürwahr, das Mägdelein,
stand auf und flog davon.


15.7.2011: Da nun neben der ILLUSTRIERTEN KLEMPNER-ZEITUNG auch die WUPPERTALER RUNDSCHAU dazu übergegangen ist, unsere Band nur noch im Zusammenhang mit dem Adjektiv "legendär" zu erwähnen, hat das Namensfindungskomitee für den 16.7.2011 um 0.00 Uhr in den "Alten Kaiser" geladen, um zu beraten, ob wir den Bandnamen offiziell in "Die legendären WupperKrampen" ändern sollen.


22.7.2011: Der eine oder andere Fän hat es vielleicht schon am Rande vernommen, aber die Allgemeinheit ist noch ahnungslos: Liebe Freunde und Freundinnen, leider müssen wir euch mitteilen, dass die Großen Verhinderer, die an Kreativität uninteressierten Kissenfurzer und die arschlöcherigen Bürokraten unserer Gemeinde sich in letzter Sekunde mit den Gemeinen Lumpen, die uns regieren, zusammengetan haben, um unseren schönen Plan von einem neuen musikalischen "Kommunikationszentrum" zunichte zu machen.
Das Projekt "Ersatz für den Hünefeld-Palast" ist leider vorerst gestorben.


28.7.2011: Et hilft ja alles nix, und wenn die Welt (siehe oben) auch noch so schlecht ist: Irgendwie muss es ja weitergehen, woll? Und dat machen wir jetzt, und zwar MORGEN, am Freitag, dem 29.7.2011, ab 18.00 Uhr auf dem sonnigen Gelände des weltberühten Kleinwarzenvereins Riescheid-West, auf dem der beliebte Hatzfelder Würgerverein e.V. ein Sommerfest schmeißt: Bierken und Würstkes inklusive, und die Musik der Krampen kostenlos, damit ihr alle, wie Atti sagt, dat ganze gesparte Geld "verfreten un versuppen" könnt.

Die RUNDSCHAU kündigt die WupperKrampen als "Highlight" an; für die ILLUSTRIERTE KLEMPNER-ZEITUNG sind wir "dat Beste übboh
aupt, ey", und Dr. Asbach von LUMBECK, DAT BUNTE BUCHBINDERMAGAZIN meldet: "Sogar Hotti Laumann bekniet die Ongerbarmer Bänd seit Monaten, damit sie sein Etablissemang mal mit einem Auftritt beehren."
Terminprobleme? Krampe Werner A.: "Bisher isset immer an der Freib...wasserfrage gescheitert."
Was Freibwasser ist, erklärt er euch beim näxten Mal. 


29.7.2011: Immer wenn du glaubt, du hast das Glück... kommt irgendeine behämmerte Software daher und sagt sich: Getz isset abboh lang genuch gut gegangen; getz müssenwer mal widdoh auffe Kacke hauen, unsere Macht zeigen und den doofen Homepage-Gestalter 'n bissken innen Wahnsinn treiben...
Und wie machenwer dat? Ganz einfach! Wir lassen zur Abwechslung einfach mal ALLE Bilder verschwinden, die er hier eingebunden hat. Stattdessen machen wir da überall so kleine Kästkes mit 'nem X drin hin.
Da hat er wat zum Nachdenken. Der Mann hat ja auch sonst NIX zu tun.


31.7.2011: Sofern der Operateur seine fünf Sinne noch beisammen hat, versucht die neueste Fassung unseres bisher immer absolut zuverlässigen Antivirenschutzprogramms uns einzureden, das Verzeichnis, in dem wir unsere Fotos auf dem npage-Server lagern, enthielte so genannte "Malware" (Buntstifte?) oder ähnlichen Kokolores, die, wie ein Glimmstängel (neue deutsche Rechtschreibung) potentiell gefährlich für unsere Gesundheit sei. Mit anderen Worten: Die (noch immer verschwundenen) Bilder der Krampenseite versuchen möglicherweise unsere Kontonummer rauszukriegen (oder so).  Wir bleiben dem Problem auf der Spur und vermuten mal, dass die vor 2-3 Tagen installierte neue Version des Antivirenschutzprogrammes einen an der Waffel hat... Wir sehen uns, so der Herr will, später, und zwar in der Abt. Tagebuch 08_2011!

31.7.2011, 12.41: Uhr: Hurra, der Singende Heinz und alle anderen Nasen sind wieder zu sehen . Ronald kann doch mehr als nur Bütterkes essen, woll, Karin? Ja, nachdenken hilft immer, und man liegt nie falsch, wenn man die Schuld bei den anderen (AntiVir) sucht.

Da ich gerade hier bin, empfehle ich allen Piepel, die in den 1960ern schon aktiv waren, alsbald einen Besuch bei der nagelneuen Formation "Woodstock Chor", die gestern in Riescheid-West debütiert hat. Dieser Chor macht so Sachen von Scott McKenzie, The Mamas and the Papas etc., die sehr schön rüberkommen. Es werden wohl auch noch Männer gesucht, die sich zu singen trauen. Können sollense natürlich ook wat, nich nur so rumbrummen und glauben dattat keinem auffällt... Aus diesem Chor wird was werden, sagt euch der bärtige Sohn des glatt rasierten Propheten!