Tagebuch 10-2011


12.10.2011: Nach der wüsten Mikado-Schlacht gegen die Luschenauswahl der CDU-Bundestagsfraktion erwachen wir wie gewohnt in unserer Musikantensuite im Vohwinkeler Hilton. Um genügend Platz am warmen Kamin zu finden (Frau Merkel hat wieder vergessen, die Erderwärmung einzuschalten), lassen wir erst mal die Groupies hinaustragen .

Beim Frühstück liest Dr. Goltz, der Band-Butler, die eingegangene Post vor. Dabei handelt es sich in der Hauptsache um Dankschreiben loser Frauen, unverhohlenen Drohungen von Finanzämtern und interessanten Informationen aus Nigeria, lt. denen dort auf einem Konto des Bankhauses Abzocker & Swoynepriester 87 Millionen Euro von einem toten Dr.-Ing. Schmitz rumgammeln,  die wir erben könnten, wenn wir zuvor 5.000 Euro an den Tippgeber überweisen. Dann folgen die üblichen Bettelbriefe sexuell unterdrückter transvestitischer Rockmusiker aus dem Hindukusch, die sich unsere abgelegten Fender-Klampfen und alten Gibsons erbitten.

Den Vogel jedoch schießt der Brief eines gewissen Erich Kläppton ab, der sich als "Ersatz-Gitarrist" bewirbt - für den unwahrscheinlichen Fall, dass Herr Abé und Herr Hahn mal wg. allzu großen Wasserkonsums bei einem Konzert inkontinent werden.

"Wat?", sagt Herr Abé. "Wie heißt dä Tüp? Kläppton? Den kenn ich. Der kann  doch nix."
Und schon wendet sich das Gespräch wieder den wirklich wichtigen Themen unserer Zeit zu: den ständig steigenden Frauenpreisen...


12.10.2011 (am gleichen Tag, aber später): Bin gerade im Schlossarchiv auf ein in mehrerlei Hinsicht bemerkenswertes Foto gestoßen: Es zeigt, dass die WupperKrampen keine Angst davor zu haben brauchen, je in einer musikalischen Schublade abgelegt zu werden. Auch deutet es an, dass Ronnie Krampe ohne Spickzettel schrammeln und dabei noch lachen kann! Nur eine Frage brennt mir auf der Seele: Wieso hat bei der Probe keiner gemerkt, dass Ralf Quel mit seinem schwarzen Lederzeug und der Mütze wie der letzte Gauleiter von Heckinghausen aussieht???

 


22.10.2011: Kaum von der sonnigen Adria ins eiskalte Bergische Land zurückgekehrt, erzählt euch der Krampen-Chronist ein erbauliches Garn, dass ihm, kaum in seinem Offizium angekommen, zu Gehör gebracht wird...

Ein Gitarrist wird um 4.00 Uhr nachts von der Bullizei angehalten und gefragt, wo er um diese Zeit denn noch hinfährt.
Der Gitarrist antwortet: „Ob Sie’s glauben oder nicht, Herr Kriminalrat, aber ich bin auf’m Weg zu ’nem Vortrag über Alkoholmissbrauch, die Auswirkungen desselben auf den menschlichen Körper und Geist, sowie den verderblichen Einfluss, den das Schickern auf das familiäre Zusammenleben hat.“
„Echt?“, fragt der Bullizist ziemlich baff. „Wer hält um 4.00 Uhr nachts noch solche Vorträge?“
Da sagt der Gitarrist: „Meine Frau.“


23.10.2011: Gestern Abend auf 3SAT: Übertragung eines Konzerts mit Famosen Artisten aus der Rock 'n' Roll Hall of Fame. Irgendwann kündet James Hetfield (Metallica) einen Künstler an, den man, wie er behauptet, "eigentlich gar nicht vorstellen muss" und nuschelt einen Namen, den man noch nie gehört hat.
Herr Dummbatz und Frau (vor dem Fernseher) schauen sich baff an.
HERR DUMMBATZ: "Wat hat er gesagt? Mein Freund Hasi?"
FRAU DUMMBATZ: "Mein Freund
Asi!"
Schon torkelt des Rätsels Lösung auf die Bühne: Es ist steinalte Drogenwrack Ozzy Osbourne! Ozzy kaspert herum, krakeelt einige Sätze, in denen das Wort "fucking" drin vorkommt, nölt zwei Nummern aus Black Sabbath-Zeiten, wirft seine Sonnenbrille weg und verschwindet wieder im Dunkel des Kosmos.
Herr Dummbatz & Frau schauen sich an.
Man lernt nie aus!
Endlich wissen sie, wie man Otzis Namen richtig ausspricht:
Asi!



Das hier ist Asis Tochter


29.10.2011: Was freut den Musikanten besonders (außer rasendem Applaus, Zugabegeschrei und der Gage?)

Wenn der Musikant sich in einem eiskalten Probenraum bei Wasser und Brot wochenlang abgerackert hat, um sein Repertoire aufzumöbeln... Wenn er tausend Kisten, Kästen, Instrumente und Kabel auf einem Haufen stapelt, um sie an den Ort des nächsten Auftritts zu karren... Wenn er den ganzen Kram in einem Lokal aufbaut, das kleiner ist als das Büro unseres Bürgermeisters... Wenn das für einen anhörbaren Sound zuständige Teil vor dem ersten Akkord abkackt... Wenn nach dem zweiten Song die Sicherung beschließt, in Rente zu gehen und es im "Saal" so finster wird, dass die Frauen sich schon auf zudringliche Männer freuen... 

Das ist alles Routinequack. Das steckt der Musikant locker weg.

Wenn aber, kaum dass die Stimmung sich dem Siedepunkt nähert, so gegen 22.00 Uhr, ein missgünstiges, in einem Hinterhaus-Hühnerstall hausendes Brschloch zum Telefon greift, um dem Land NRW zu zeigen, wer der Herr im Haus ist, und verlangt, dass es unverzüglich ein Bullettenkommando in Marsch setzt, um dem gut gelaunten Teil der Menschheit in der Lokalität "Pirat" den Spaß zu verderben... dann gerät der Musikant in absolute Hochstimmung.

Und er freut sich auf den Tag, an dem sein nagelneuer Baseballschläger (der samstags Ausgang hat) und der schäbige Denunziant sich in einer dunklen Unterbarmer Ecke näher kennen lernen.


 31.10.2011