Tagebuch 11-2012


30.11.2012: Nä, dat glaupse nich! Schon ist der Monat wieder rum, und auch diesmal ist es dem Krampenknecht nicht gelungen, einen Bericht über seine tolldreisten Abenteuer im Lande der Heizungsbauer abzuliefern! Nicht mal über seine Reise nach Wladiwostok will er etwas sagen: Triefnase, Brummschädel und Krächzhusten hindern ihn daran, den Griffel zu halten. Zum Gück haben wir aber unsere Frau Bergmann, die immer einspringt, wenn die Katastrophe da ist! Auch heute war sie dankenswerterweise bereit, unser Nicht-Konzert vom 16.11.2012 im CCB e.V. zu kommentieren, bei dem sich die WupperKrampen und ihre Damen immerhin als 1-A-Kellner bewährt haben:
 

Letztens im Krampen-Domizil...
 
Boah, ey, hier herrscht aber wirklich dat große Schweigen… Ja nu, freischaffende Künstler können sich nich auf ihrer Rente ausruhen und müssen dichten wie doll, wegen de Brötchen un so. Also hamwer Verständnis...
 
Da will ich mal einspringen un kurz wat zu dat Konzert am 16.11. sagen. War doll, woll? Die Jungens ham mal wieder ihr Bestes gegeben und ordentlich Musik gemacht. Volle Lotte – sogar deutsch wurd da gesungen. Danke an Just 4 fun un de Blue Fellows, war geil!
 
Die Krampen hatten ja mal frei (bis auf die armen Schweine vom Service), und wir ham ein paar aufe Tanzfläche bewundert. Hamse ja auch verdient. Un bei Glühwein (Superidee!! Es war nämlich ziemlich frostig in dem Etablissement) und beim Abtanzen zusammen mit de heißen Musik wurd einem schon schnell wieder warm.
 
So, nun macht et Euch mal schön gemütlich in de Adventszeit, passt feste aufe Kerzkes auf, dat nix abbrennt un wir sehn uns am 21.12. oder? Bin gespannt, ob de Krampen mal ein rockiges Weihnachtslied einstudieren, vielleicht „O Ta-nnen-baum!“ oder „Lei-se rie-selt der Schnee“, schließlich is dann in 3 Tagen Heiligabend.
Übrigens – Schnee is keine Entschuldigung für nich kommen! Holt Eure Schlitten ausm Keller un nix wie hin nach de Bleiche!
 
Bis dahin
Eure Frau Bergmann (leider nicht Ingrid)

6.12.2012: "Wenn Sie uns schon nicht helfen wollen, unsere Überweisungen nach Griechenland schönzuschreiben, könnten Sie wenigstens hin und wieder einen Schwank aus Ihrer Jugend im WupperKrampen-Tagebuch veröffentlichen", meinte Frau Merkel heute bei ihrem üblichen Kontrollanruf nach dem Frühstück. "Sonst denken die Leute noch, Sie hätten keine Lust mehr. Oder noch schlimmer: Sie  hätten Besseres zu tun."

Ich muss schon sagen, da bin vor Schreck mit dem kleinen Finger der rechten Hand in der Geldzählmaschine hängen geblieben. "Ich hab Schnupfen, Husten, Heiserkeit", brachte ich zu meiner Verteidigung hervor. Und damit sie es auch glaubte, kröchte ich ihr 30 Sekuden lang die Ohren voll. "Ganz zu schweigen davon, dass mein Vorrat an Jugendschwänken mit jedem vergehenden Jahr rapide schwindet."

Dann jedoch ging ich in mich und dachte: Muss ja nix aus der Jugend sein. Schreib doch mal was, das erst vor 14 Tagen passsiert ist.

Also: Vor 14 Tagen (ungefähr) hatte ich das Vergnügen, an der Seite meiner Gattin im Alleestübchen ein Konzert der "Alley Blues Band" anzuhören. Da war die Erkältung schon im Anmrsach, aber noch nicht richtig ausgebrochen, und sie fiel mir auch nicht sooo doll auf, da die Musik mein Blut schön in Wallung brachte und mich bald mächtig erhitzte. Außerdem fand ich es sehr interessant, dem famosen Gitarristen Micky Friedrich aus der Ferne auf die Griffeln zu schauen, was ich nur allzu gerne in der Hoffnung tue, dass ich ihn irgendwie bestehlen kann.

Leider ist Micky zu schnell als dass man ihn beklauen könnte, aber während ich ihm so zuhörte, fragte ich mich, wie lange wohl so ein Gitarrist von Mickys Format an so einem Gitarrensolo bastelt. In der Pause saßen wir zusammen, und da sah ich eine Chance, ihn einfach zu fragen. Ich sagte: "Hömma, wenn die Leute rauskriegen, was ich beruflich mache, stellen mir immer alle die gleiche Frage. Sie fragen mich: Samma, wie lange schreibst du an so 'nem Roman? Und nun meine Frage an dich:
Ihr habt gerade Black Knight gespielt. Wie lange brauchst du, bis das Gitarrensolo, das da drin vorkommt, bei dir so sitzt, dass du's öffentlich spielen kannst?"
Micky sagte todernst: "Fünf Minuten."
Ich hatte mit fünf Wochen gerechnet.
Ich: "Ähm, also... Wat? Im Ernst? Ich fass es nicht! Das ist ja rasend schnell."
Micky zuckte die Achseln. Er fand nicht, dass das rasend schnell ist. Dann deutete er auf Ingo Meyer (auch er ein rasend guter Gitarrist vor dem Herrn) und meinte lakonisch: "Der Ingo, der ist wirklich schnell. Der braucht für sowas nur zwei Minuten."

Das sind so Sachen, bei denen einem die eigene Sterblichkeit schmerzhaft bewusst wird.